Aus dem Dekanat Saarbrücken

Tag der Pfarrsekretärinnen

Wie gut kennen wir “Saarbrücker” Pfarrsekretärinnen eigentlich unsere Stadt Saarbrücken?
Am Samstag, dem 16. September trafen sich auf Einladung unserer beiden lieben und sehr geschätzten Dekanatssprecherinnen Waltraud Sahner und Diana Balanescu, unsere Dekanatssekretärin sowie zehn weitere gutgelaunte und äußerst gespannte Pfarrsekretärinnen zu einem informativen und vergnüglichen (Nach-)mittag in Saarbrücken. Herr Peter Möglin, augenscheinlich ein bekennender FC St. Pauli Fan, erwies sich dabei als allwissender und eloquenter Stadtführer und führte uns geschickt durch Saarbrücken. Sehr anschaulich und lebendig berichtete er von den einzelnen Stationen, die wir zeitlich besuchen konnten.
Los ging es vor dem Rathaus St. Johann, für dessen Entwurf der Architekt Georg von Hauberrisser verantwortlich war. Dieser gestaltete auch das neue Rathaus in München, so dass eine gewisse Ähnlickheit der beiden Rathäuser nicht verwunderlich ist. Herr Möglin erläuterte uns auch die Bedeutung der Figuren an der Fassade und noch vieles mehr zur Geschichte des Rathauses, was für uns “alte” Saarbrigger doch mehr oder weniger neu war. Schließlich führte uns der Weg in das Prunkstück des Rathauses, nämlich in den historischen Festsaal, der ebenso von der Stadtverwaltung für repräsentative Zwecke wie auch vom Standesamt als Trauort genutzt wird. Für einige von uns ist dieser festliche Ort mit vielen Emotionen und Erinnerungen verbunden. Immer wieder vernahmen wir Momente leisen Ahs und Ohs, wenn Emotionen nach so vielen Jahren/Jahrzehnten die eigene standesamtliche Trauung betreffend präsent werden.
Anschließend schlenderten wir gemütlich plaudernd zur berühmten Basilika St. Johann mit päpstlicher Auszeichnung “basilica minor” (nebenbei auch Arbeitsort unserer Waltraud), deren Baumeister der mit Saarbrücken eng verbundene Architekt Friedrich Joachim Stengel ist. Es gibt in Saarbrücken viele “Stengelbauten” (die barocke Ludwigskirche, der Brunnen am St. Johanner Markt, das Saarbrücker Schloss mit seiner Schlossmauer, der Schlosskirche und dem Schlossplatz, dem Alten Rathaus, etc.), über die wir im Verlauf noch einiges erfahren sollten. In den Innenraum der Basilika gelangt man über ein riesiges Bronzeportal (Künstler: Ernst Alt), dessen Türflügel links Bilder von Johannes dem Täufer und rechts Bilder von Jesus zeigen. Bemerkenswert sind auch die vier bronzenen Handläufe, die an die Vergänglichkeit unseres Lebens erinnern sollen. Einige schauten nun mal genauer und staunend auf besagte Hände, obwohl man diese schon oft “gesehen” hatte.
Die Basilika zeichnet sich durch ein reichgeschmücktes Innenleben (Kanzel, Figuren der vier Evangelisten, Altäre, imposante Orgel mit über 4.000 Orgelpfeifen) aus. Ein berühmter Messdiener war hier Willi Graf gewesen, der als Widerstandskämpfer der Weißen Rose durch das NS-Regime zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Eine Erinnerungstafel hängt in der Basilika, und eine in der Pfarrei St. Johann engagierte Frau stellt regelmäßig eine frische weiße Rose vor diese Tafel.
Die Zeit drängte, und weiter ging es vorbei am Haus mit dem vermutlich ältesten Fenster Saarbrückens (um 1688) zum St. Johanner Markt mit seinem bekannten Brunnen. Dort nahmen wir uns Zeit für ein Erinnerungsfoto, denn unsere neue Brebacher Kollegin Claudia Reyes-Saldana musste sich wegen kirchenmusikalischer Verpflichtungen leider vorzeitig verabschieden. Wir hoffen auf ein baldiges Wiedersehen und ein besseres Kennenlernen an einem unserer nächsten Stammtischtreffen!
Apropos St. Johanner Markt: Kaum jemand kann sich heute vorstellen, dass noch vor wenigen Jahrzehnten der St. Johanner Markt, heute das Wohnzimmer der Saarbrücker, ehemals das Schlafzimmer war. Die Namen “Tante Maja, Tante Anne und die Keltermannpassage” erinnern heute an diese Vergangenheit des ehemaligen Rotlichtviertels. Ebenso erzählte Herr Möglin über die Entwicklung des unweiten Nauwieser Viertels (bei Alteingesessenen umgangssprachlich Chinesenviertel genannt), das sich früher ebenso wegen Drogen und Prostitution eher berüchtigt als berühmt erwies. Heute sind sowohl der St. Johanner Markt als auch das Nauwieser Viertel Orte voller Lebens mit vielen Cafés und Kneipen sowie bunt gemischter Kultur/en.
Nach unserem Fotoshooting beeilten wir uns, zur nächsten Örtlichkeit zu kommen – dem Saarbrücker Schloss. Ein kurzer Stopp auf der Alten Brücke (älteste erhaltene Brücke im Saarland) und wir erfuhren wieder von längst vergessenen oder unbekannten Dingen wie beispielsweise vom Bau der darunter verlaufenden Stadtautobahn A620 und der dadurch bedingten notwendigen Verschiebung der vorderen Schlossmauer um 17 m nach hinten. Weiter ging es nun vorbei an der steinernen Fratze des “geizigen Bäckers”. Dieser Saarbrücker Bäcker soll der Sage nach sehr geizig und sehr hartherzig gegenüber armen Bittstellern gewesen sein; er selbst aber war sehr reich gewesen. Das kam auch der Saarbrücker Gräfin zu Ohren. Sie testete ihn und auf seine hartherzige Reaktion hin ließ sie sein Gesicht in Stein nachbilden und aus seinem weit geöffneten Mund lief das Saarbrücker Schmutzwasser. Welch` Genugtuung muss das für die damaligen Saarbrücker Bürger gewesen sein!
Ein kurzer Zwischenstopp führte uns in die Schlosskirche mit den über die Landesgrenze hinaus bekannten farbenprächtigen Fenstern, die heute als Museum für christliche Sakralkunst dient. Hier liegen auch die Gebeine der letzten Saarbrücker Fürsten begraben.
Von vielen Impressionen und Informationen bereichert, standen wir nun tatsächlich vor unserem Abschlussziel, dem Saarbrücker Schloss mit seinem gläsernen Mittelbau aus den 80er Jahren sowie seinen unterirdischen Kasematten. Vierzehn Meter unter dem Schlossplatz liegen die aus dem 16. Jahrhundert stammenden Gewölbe sowie die unterirdische Burganalage, die mittlerweile mulitmedial zu besichtigen sind. Herr Möglin hatte auch hier viel anschauliches zu erzählen und gebannt hörten wir ihm zu. Als es draußen noch zu regnen anfing, nutzten einige von uns die Gelegenheit, die Sonderausstellung “Prominente Menschen aus dem Saarland”, die noch bis Mai 2018 im angrenzenden Historischen Museum andauert, zu besuchen.
Einen tollen Ausklang gab es dann für uns im Café am Schloss bei verspätetem Mittagessen bzw. Kaffee und Kuchen mit regem Austausch über einen äußerst abwechlungsreichen und kurzweiligen Samstagnachmittag. Schlicht gesagt, man fühlte sich im Kreise der Kolleginnen “in Saarbrücken wie neu geboren” oder anders ausgedrückt “man hatte uns die Augen geöffnet”.

Unser aller Dank gilt Herrn Möglin, der augenscheinlich viel Freude an seiner Aufgabe als Stadtführer fand und der uns sehr gut über “unser Saarbrigge” informierte! Weiter gilt unser Dank natürlich Waltraud und Diana, die diesen besonderen Nachmittag geplant und möglich gemacht haben. Dank ebenso an alle ehemaligen und aktuellen Kolleginnen, die dabei sein konnten. Wir freuen uns auf ein nächstes Mal, denn Saarbrücken bietet noch so viel mehr, was es zu entdecken gilt.
Anke Hoffmann

Ein Gedanke zu “Aus dem Dekanat Saarbrücken

  1. Lies Monika

    toller Beitrag – ich als eingefleischte Saarbrückerin – leider konnte ich nicht teilnehmen – wußte auch noch nicht alles, von dem , was Herr Mögling Euch erzählt hat.
    Danke für die ausführliche Schilderung.

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